Ein reges Treiben herrscht am Nachmittag des 22. November im Johanniter-Haus. Acht Schüler der Realschule Plus aus Bobenheim-Roxheim, haben sich mit Schürze und Häubchen ausgestattet, um Bewohnerinnen und Betreuungsteam beim Plätzchenbacken zu helfen.

Nachdem Einrichtungsleiterin, Celina Calmes, die jungen Leute auf die Hygienevorschriften, wie Hände desinfizieren und Schmuck ausziehen, aufmerksam gemacht hat, wird gemeinsam Teig ausgerollt oder durch  den Fleischwolf gedreht, um Butter- und Spritzgebäck herzustellen. Die anwesenden Seniorinnen freuen sich über die jugendliche Gesellschaft. Zwischendurch wird gescherzt und gelacht. Auch Raul, der einzige Junge unter den Schülern, der nach Abschluss der Schule Maurer werden will, hat Spaß. „Ich finde es richtig schön hier“, sagt der 14Jährige und rollt die nächste Lage Teig aus.

Am Nebentisch, wo sich die Seniorinnen am Tisch an die Adventszeit ihrer Kindheit erinnernund Plätzchenrezepte vergleichen, dreht Caycee gerade Teig durch den Fleischwolf. Sie findet es „cool“ im Johanniter-Haus und überlegt direkt, im nächsten Jahr ein Praktikum in der Beschäftigungstherapie zu machen. Auch Sigrun, die daneben steht, gefällt die Aktion. „Ich hatte auch schon Kontakt zu einer der alten Damen“, sagt sie und erzählt, dass ihre Uroma weiter weg in einem Altenheim lebt und sie sie manchmal besucht. Ein Praktikum findet auch sie nicht schlecht. „Um Berührungsängste abzubauen“, sagt sie und verrät, dass sie beide noch etwas schüchtern wären.

Zwischen 13 und 14 Jahre alt sind die Schüler der Berufsreife-Klasse 8 c, die mit Koordinatorin Gaby Corell und Klassenlehrer Marco Kirchner gekommen sind. Kirchner möchte zukünftig häufiger solche Aktionen mit den Schülern durchführen. „Diese Dinge kann man im Unterricht so nicht vermitteln“, sagt er. Kirchner findet den Nachmittag mit Schülern und alten Menschen „klasse“, zudem man sehe, dass es den Schülern Spaß macht. Kirchner würde gerne wiederkommen. „Ich habe bereits Ideen dafür, die muss ich später mal in Ruhe ausarbeiten“, erzählt er. Eigentlich hätten noch mehr Schüler mitkommen wollen. Soziale Berufe wären in der Klasse sehr gefragt und es gäbe einige, die in die Richtung Altenheim oder Kindergarten gehen möchten. Von der Leistung her, seien es alles gute Schüler. „Im März haben sie ihr erstes große Praktikum und ab der 9. Klasse dann das Jahrespraktikum, während dem sie einmal wöchentlich in einen Arbeitsplatz hineinschnuppern können“, informiert der Lehrer.

Die 14-Jährige Jasmin wird auf jeden Fall ein Praktikum im Altenheim machen, erzählt sie, denn sie möchte später Altenpflegerin werden. Das habe für sie schon früh festgestanden. Schon als Kind habe sie den Großeltern gerne im Haushalt geholfen. Über die Entscheidung zu ihrem Wunschberuf sagt sie: „Ältere Menschen brauchen einfach mehr Hilfe. Ich weiß, dass viele das nicht machen möchten. Da dachte ich mir, ich habe keine Probleme damit, also mache ich das“.

Den anwesenden Bewohnerinnen gefällt es ebenfalls, gemeinsam mit den jungen Menschen Plätzchen zu backen. „Ich find’s ganz toll und mein Gegenüber ist ja auch nicht zu verachten“ scherzt Wally Pollicini in Bezug auf den Klassenlehrer. Von den fertigen Plätzchen habe sie auch schon probiert. „Die waren lecker“, versichert die 88-Jährige.

Birgit Voltz